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Interview, oder Jochen Mais Überallbüro

1 Dezember 2010

Im Interview gibt Jochen Mai einen Einblick in seine Arbeitswelt. Er spricht über die Verbindung von Privat- und Arbeitsleben und welchen Einfluss neue Medien und Technologien auf seine Art zu arbeiten haben.

Jochen Mai ist Diplom-Volkswirt  und Leiter des Ressorts „Management + Erfolg“ bei der WirtschaftsWoche. Anfang 2008 erschien sein Bestseller „Die Karriere-Bibel“ im Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv). Das dazugehörige Online-Jobportal karrierebibel.de wurde im April 2009 mit dem „Lead-Award“ ausgezeichnet.

Das Interview

1. Der Job, oder was ist Dein Tätigkeitsbereich?

Ich bin Journalist, Autor und leite bei der WirtschaftsWoche seit gut neun Jahren das Ressort „Management&Erfolg“. Nebenbei betreibe ich mein Blog Karrierebibel, schreibe Bücher und halte Vorträge oder werde auf Podien eingeladen. Ich sehe das aber weniger als Job, sondern als Beruf. Ich muss meine Kreativität ausleben – und das tue ich beim Schreiben, beim Fotografieren, beim Malen oder Musizieren ebenso wie seit kurzem beim Filmemachen. Mein Beruf und meine diversen Aktivitäten geben mir die Chance, damit zu experimentieren sowie damit und daran zu wachsen.

2. Der Alltag, oder wie sieht Dein normaler Arbeitstag aus?

Aufstehen, Duschen, Frühstücken, dabei Feeds lesen und per Mail, Twitter, Facebook mit anderen kommunzieren, oft schon erste Blogartikel schreiben, ins Büro fahren, an Konferenzen teilnehmen, telefonieren, recherchieren, schreiben, publizieren, organisieren, planen, redigieren, bloggen, twittern, facebooken, nach Hause fahren und dort weiter kommunizieren.

3. Das Überallbüro, oder wie unterscheidet sich Dein Arbeitstag von früheren festen Büros?

Nicht viel. Ich habe ja noch immer ein Büro in der Readktion. Aber ich bin davon unabhängig. Im Grunde brauche ich nur mein Laptop, WLAN, Strom, Handy, Headset – und schon kann es losgehen.

4. Die Technik, oder welche Hardware und Software setzt Du ein?

So wenig wie möglich und so viel wie nötig. Seit kurzem besitze ich ein MacBook Pro und lerne gerade schwer von Microsoft auf die OS X Welt um. Ich nutze ein iPhone, und zum Skypen ab und an ein Headset von Sennheiser. Software: Skype, Firefox, Tweetdeck, Gimp, Final Cut, Word, Keynote – und diverse freie Programme sowie Add-Ons im Browser. Mein Blog basiert auf WordPress.

5. Die Work-Life-Balance, oder wie hat sich Dein Leben durch die Arbeitsumstellung verändert?

Vorab: Ich mag den Begriff Work-Life-Balance nicht. Wenn ich arbeite, lebe ich auch. Und umgekehrt. Ich kann beim Schreiben wunderbar entspannen und manchmal ist es eben auch Qual. Fakt ist aber, dass durch das iPhone und die permanente Erreichbarkeit so etwas wie ein Feierabend kaum noch existiert. Eher ist es ein unterschiedlich organisiertes Abwechseln von Arbeits- und Freizeiten, von aktiven und Ruhephasen. Zu denen muss man sich aber bewusst entschließen. Vor kurzem habe ich dazu auch eine Titelgeschichte in der WirtschaftsWoche geschrieben, öfter sprichwörtlich abzuschalten, was ich auch selbst tue. Zeitgleich erschienen damals auch zwei Bücher mit demselben Tenor. Offenbar ist das ein Thema, dass auch andere umtreibt. Und ich bin sicher, dass nicht die Technik, sondern unsere Fähigkeit zum Selbstmanagement die eigentliche Herausforderung der mobilen Zukunft ist.

6. Dein Rat, oder was empfiehlst Du anderen, die noch nicht im Überallbüro arbeiten?

Finde heraus, ob diese Arbeitsweise zu dir passt. Probiere verschiedene Tools und Techniken aus – und vergiss nicht, dass es neben dem Online noch ein Offline gibt. Virtuelle Teams können noch so gut gesteuert sein – auf physische Treffen sollte keiner verzichten. Denn nur hier entstehen Vertrauen und die nötige Offenheit für spätere Diskussionen. Das ist sogar wissenschaftlich belegt (habe darüber schon gebloggt).

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