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Post-its, oder die freien Gedanken festhalten

9 August 2010 5 Kommentare

Die Gedanken sind frei, sie fliehen vorbei„. Dieses Volkslied dichtet von der Freiheit der Gedanken; aber es zeigt im übertragenen Sinne auch eine zweite wichtige Eigenschaft unserer Gedanken: Es ist schwierig sie zu lenken bzw. festzuhalten.

Unser Gehirn arbeitet nicht nur linear und zielgerichtet sondern auch parallel und assoziativ. Wenn wir an einem Text, an einem Vortrag arbeiten oder allgemein über ein Problem nachdenken, so versuchen wir analytisch und linear vorzugehen. So haben wir es in der Schule gelernt. Dennoch haben wir manchmal das Gefühl mit den Gedanken abzuschweifen. Wir verlieren uns in immer mehr Abzweigungen unseres logischen Denkens.

Assoziatives Denken
Dies ist kein Fehler oder Konzentrationslosigkeit. Ganz im Gegenteil: Das ist unser assoziatives Gehirn, dass aus Erlerntem, Erfahrungen und Erkenntnissen neue Ideen und Lösungen zu unserem Problem kombiniert. Es fühlt sich jedoch im Gegensatz zum linearen Denken sehr sprunghaft an.

Analyse vs. Synthese
Diese Assoziationsfähigkeit unseres Gehirn können wir nicht nur zur Problemlösung, sondern auch zum Lernen nutzen. Uns wird beigebracht analytisch abstrakte Konzepte zu verstehen, um sie dann auf konkrete Fragen anzuwenden. Jedoch ist unser Gehirn seit der Urzeit eher auf das beispielhafte, synthetische Lernen programmiert. Es fällt uns leichter, aus Einzelbeispielen ein abstrakteres Verständnis zu erarbeiten. Aus diesem Grund fordern wir im Matheunterricht stets Beispiele anstatt abstrakte Formeln.

Anstatt also Gedanken in eine Richtung zu zwingen, ist es häufig sinnvoll das Gehirn erstmal machen zu lassen, was es besonders gut kann: frei assoziieren. Damit dies produktiv eingesetzt werden kann, ist es wichtig, die Gedanken festzuhalten. Ich nutze dafür Post-its.

Schreiben

Wenn ich einen neuen Artikel schreibe, weiß ich meist, was die Aussage sein soll. Jedoch ist der Weg bis zur geschriebenen Endversion noch lang. Ich nehme mir dann ein Post-it und schreibe dieses Ziel auf (s. 1.). Danach beginne ich meine Gedanken aufzuschreiben: Einleitung, Argumente, Beispiele, Motivation, Fazit …

Jeder Gedanke, jede Idee bekommt ein Post-it. Mit der Zeit entwickelt sich ganz automatisch die Struktur des Artikels, es entstehen Kapitel (s. 2.). Diesen Kapiteln kann ich dann meine Gedanken zuordnen. Indem sich die Post-its ganz leicht umkleben lassen, ist es sehr leicht die Gedanken zu strukturieren. Argumentationen klebe ich Argument für Argument aufeinander.

Lesen

Wenn ich ein neues Problem zu lösen habe, beginne ich meist damit, zu recherchieren. Der erste Schritt ein Problem zu lösen, ist es, das Problem zu verstehen.

Dafür schreibe ich das Problem bzw. die Frage auf ein Post-it (s. 1.) und fange an in den passenden Büchern zu lesen. Mein assoziatives Gehirn denkt während dessen die ganze Zeit weiterhin über das Problem nach und so gewinne ich plötzlich neue Lösungsideen. Diese schreibe ich schnell auf (s. 2.) und lese weiter.

Während ich das Buch durcharbeite, mache ich mir Notizen auf Papier (s. 3.), da ich mir so die Inhalte besser einpräge. Es erleichtert damit auch die Assoziation, denn die Inhalte erreichen mein Gehirn so über zwei Sinne verstärkt: Sehen und Fühlen.

Entwerfen

Wenn ich ein neues Programm schreibe, entwickelte ich es zuerst auf Papier. Es ist ähnlich wie beim Schreiben eines Artikels — ich versuche erst unabhängig vom Text über den Algorithmus nachzudenken.

Zuerst schreibe ich auf, was das Programm leisten soll (s. 1.). Dann präzisiere ich diese Aufgabenstellung und zerlege sie in Teilprobleme. Dafür klebe ich das Post-it auf ein Blatt Papier, um mehr Platz zu haben. Wie in diesem Beispiel, werden es dann meist mehrere Blätter, bis ich den Entwurf des Programms fertig habe. Auf weiteren Post-it schreibe ich dann die Teilschritte auf, die ich zum Erstellen des Programms lösen muss (s. 2.).

Auf diese Weise muss ich nur die Post-its vor Augen haben, um die Teilaufgaben anzugehen. Wichtige Aspekte schreibe ich gesondert auf, damit diese ebenfalls stets präsent sind (s. 3.).

Warum Post-its?
Meine Gedanken fliegen schnell und nicht immer kontrollierbar, wenn ich meine Aufgaben erledige. Dies ist jedoch keine Schwäche, sondern ganz im Gegenteil eine Stärke meines Gehirns. So flexibel es dabei ist, so flexibel muss ich diese Gedanken auch aufschreiben, möchte ich sie später gezielt verwenden.

Post-its fassen genau einen Gedanken und können leicht hin und her geschoben werden. Klebt man sie aufeinander, gruppiert man Gedanken zu einem zusammengehörigen Aspekt. Da man sie immer aneinander kleben kann, gibt es stets genügend Platz, um zu zeichnen, schreiben oder verbinden — anders als bei beschränkten DIN-A4. Mit Hilfe von unterschiedlichen Farben kann man Post-its thematisch voneinander trennen. Die Post-its zur aktuellen Aufgabe haben eine andere Farbe als diejenigen für Tagesnotizen; also für Ideen, die man spontan zu einem anderen Thema bekommt.

Zum dauerhaften Speichern schreibe ich entweder eine kurze Zusammenfassung oder ich digitalisiere die Post-its. Die Bilder für diesen Artikel habe ich mit der Kamera meines Smartphones aufgenommen, aber man kann auch einen Scanner nutzen. In beiden Fällen lege ich das Ergebnis meiner Überlegungen in Evernote ab, so dass ich überall und jederzeit darauf zugreifen kann.

Post-its für Dich?
Assoziatives Denken ist eine enorm mächtige Fähigkeit des menschlichen Gehirns, die man täglich produktiv einsetzen kann. Egal ob für Aufsätze, Vorträge, gezieltes Lesen und Lernen oder allgemein zum Nachdenken. Um es jedoch effektiv einsetzen zu können, muss die Arbeitsmethode dazu passen. Mir helfen dabei Post-its sehr gut.

Nimm die Beispiele aus diesem Artikel und versuche Deine eigene, persönliche Methode aus ihnen zu entwickeln und berichte in den Kommentaren von Deinen positiven und negativen Erfahrungen.

Verwandte Artikel:

  1. Ideenkiste, oder Sammeln mit dem Überallelefanten
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5 Kommentare »

  • [Updated] Wand der Möglichkeiten | netzphilosophieren kommentierte:

    […] “Post-its, oder die freien Gedanken festhalten“ KategorienDas Leben da draußen, Lifehacks Tags: Anleitung, Leben, Lifehacks […]

  • Wieselblog kommentierte:

    Arbeiten mit Post’its…

    Der Auslöser PostIts? Jedermann kennt Sie und die Art und Weise wie man Sie nutzt kann unterschiedlicher nicht sein. Mein Interesse wurd durch einen Artikel auf dem Blog Überallbüro geweckt und ich wollte es auch wissen. Post-its für Dich? Nimm die Bei…

  • Malte kommentierte:

    Hey, ich seid dem ich deinen Evernote Artikel auf IT-Runde gelesen habe, nutze ich Evernote auch. Jetzt muss ich dir aber unbedingt mal Springpad ans Herz legen. Ich will gar nicht allzu viel dazu schreiben, deswegen hier der Link http://springpadit.com/ und hier noch ein kurzer Blogartikel von Caschy dazu http://stadt-bremerhaven.de/springpad-das-digitale-leben-organisieren

  • Post-it: Gelbe Zettel schlau eingesetzt » imgriff.com kommentierte:

    […] und Berichte schreiben Im vergangenen August hat Lukas Pustina von überallbüro.de beschrieben, wie er Post-it für das Schreiben von Artikel verwendet. Denken ist assoziativ und sprunghaft, […]

  • Warum manche Kreativarbeiter fast immer mit Post-It's arbeiten kommentierte:

    […] Das Überallbüro hat den Einsatz von Post-It’s zur Erstellung von Blogartikeln exemplarisch beschrieben und zeigt insbesondere wie laufende Veränderungen an der Grundidee vorgenommen werden. […]

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