Home » Featured, Sammeln

Logbuch, oder wiederhole Dich nicht

5 April 2010 6 Kommentare

Im Logbuch hält der Kapitän eines Schiffes alle wichtigen Ereignisse einer Fahrt fest. Dazu gehören unter anderem Kurs, Geschwindigkeit und Wetterlage. Die Funktion des Logbuches ist es, die Ereignisse an Bord nachzuhalten. Logbücher sind auf Handels- und Marineschiffen verpflichtend und gelten in juristischen Auseinandersetzungen als anerkanntes Beweismittel. Logbücher werden auch in anderen Fachgebieten eingesetzt. Bereits die ersten Computerpioniere führten Logbücher. Auf ein solches Logbuch geht der Begriff des Software-Bugs zurück. 1946 fand Grace Murray Hopper (engl.) nach einem Ausfall des Mark II eine Motte zwischen den Röhren des Computers. Zur Dokumentation der Ursache des Ausfalls klebte sie das tote Insekt in das Logbuch des Mark II.

Logbücher müssen aber nicht nur Ereignisse festhalten. In diesem Artikel stelle ich mein Ingenieurslogbuch vor, in dem ich gelöste Probleme festhalte. Stoße ich erneut auf das gleiche oder ein ähnliches Problem, kann ich mein Logbuch schnell zur Rate ziehen.

Don’t repeat yourself (DRY) — Wiederhole Dich nicht — ist ein Leitsatz aus der Software-Entwicklung. Es besagt, man solle den Aufwand für die Lösung eines Problems nur einmal treiben. Dieser Leitsatz lässt sich auf viele Aufgaben des täglichen Lebens übertragen. Insbesondere für uns Knowledge-Worker.

Ein Großteil der Arbeit von Knowledge-Workern besteht darin, Wissen zu sammeln um Probleme zu verstehen und zu lösen. Bücher, wissenschaftliche Fachartikel, Google, Blogs etc. sind die Quellen meines Wissen, das ich anpassen und anwenden muss, um ein konkretes Problem zu lösen. Bei diesem Vorgehen arbeite ich meist sehr zielorientiert. Ich identifiziere ein Teilproblem meiner Aufgabe, suche eine Lösung, passe sie an, baue sie in den Gesamtkontext ein und gehe zum nächsten Teilproblem über. Obwohl dieser Ansatz für ein konkretes Problem sehr gut funktioniert, ist er über mehrere Aufgaben und Probleme betrachtet ineffizient. Denn häufig ähneln sich Teilprobleme. Mir fällt dann bei der Recherche oft auf, dass ich etwas ähnliches schon einmal gemacht habe, aber ich weiß meist nicht mehr wo und wie.

Für diesen Zweck führe ich ein Ingenieurslogbuch, in das ich alle Lösungen eintrage: Wie erzeuge ich in Word ein geschütztes Leerzeichen? Wie erstelle ich eine automatische Abwesenheitsnotiz in Outlook? Wie koche ich ohne Reiskocher perfekten Sushireis?
All diese Fragen können im Internet beantwortet werden. So habe ich die Lösungen ja selbst gefunden. Aber muss ich noch einmal suchen, nachdem ich die Lösung bereits früher gefunden habe?

Das Logbuch führe ich in Evernote, so dass ich jederzeit und überall darauf zugreifen kann. Evernote sorgt selbstständig für die Synchronisation zwischen meinen Computern und meinem Mobiltelefon synchronisiert.

Jeder Eintrag in meinem Ingenieurslogbuch hat eine Kategorieüberschrift, eine kurze Beschreibung sowie einen Zähler. Der Zähler gibt mir die Auskunft, wie oft ich auf diesen Eintrag zugegriffen habe. Manchmal ist es auch sinnvoll den Link zur Quelle der Information zu speichern:

Überallbüro — Problemlösungen effektiv festhalten: 1
http://ueberallbuero.de/2010/04/logbuch-oder-wiederhole-dich-nicht/
Halte die Lösungen für Teilprobleme in einem Logbuch fest. Dadurch vermeidest Du die Recherche wiederholen zu müssen, falls Du ein ähnliches Problem lösen musst.

Sind die Notizen zu einer Lösung zu lang, so erstelle ich eine eigene Notiz dafür und versehe sie mit dem Tag Engineer’s Log. Die Einträge sind nicht sortiert, sondern der neuste wird immer zu Beginn der Notiz eingefügt. Ich habe verschiedene Sortierungen ausprobiert. Jedoch bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass man für eine konkrete Suche immer eine andere Sortierung benötigt. Da Evernote alle Notizen volltextindiziert, kann man entweder nach der Beschreibung des Eintrages suchen oder man durchsucht das Dokument von oben nach unten. Gegenüber einer vollständig neuen Recherche mit Hilfe von Büchern, Google etc. kommt man so immer schnell ans Ziel.

Also, mach Dir keine doppelte und dreifache Arbeit, sondern investiere ein paar Minuten in Dein persönliches Logbuch, um bei nächsten Mal schnell und effizient Wiederholungen zu vermeiden.

Und Du? Wie verwaltest Du Dein Wissen? Nutzt Du spezielle Werkzeuge? Oder geht es Dir wie mir vor einiger Zeit und Du ärgerst Dich schon wieder nach den gleichen Begriffen bei Google suchen zu müssen? Kann man es besser machen als mit einem Logbuch? Schreib Deine Meinung in einem Kommentar!

Verwandte Artikel:

  1. Überallakte, oder Keylogger für den ganzen Tag
  2. Evernote, oder der tragbare Überallelefant
Diesen Artikel drucken
Diesen Artikel in Evernote speichern

6 Kommentare »

  • Peter kommentierte:

    Ingenieurslogbuch hört sich gut an :). Habe ich es richtig verstanden, daß Du dafür genau eine Evernote-Notiz nimmst, in der alles gesammelt steht?
    Und warum der Zähler? Macht doch nur Arbeit, den immer zu aktualisieren 🙂

    Ich arbeite ganz langweilig mit Word-Dokumenten. Je Sachgebiet (bei mir z. B. SAP allgemein, SAP-Spezifika bei Kunde A, SAP-Spezifika bei Kunde B, Internet-Themen, …., Allgemeines) ein Word-Dokument. Die Word-Dokumente sind in der Dropbox. Zum suchen reicht Ctrl-F innerhalb des Dokumentes oder dokumentübergreifend Microsoft Search.
    Natürlich ist Word dafür ein paar Nummern zu groß, aber wenn man erstmal damit angefangen ist…

    Freunde und Arbeitskollegen verwenden gerne Scribble Papers (Windows), wikidPad (Windows, Linux, Mac), Yojimbo (Mac), Circus Ponies Notebook (Mac), MS OneNote (Windows), VodooPad (Mac), ein privates Wiki (Dokuwiki) dafür. Schrecklich, diese vielen denkbaren Möglichkeiten 🙂

  • Lukas Pustina (Autor) kommentierte:

    Hallo Peter,
    danke, dass Du Deine Variante vorgestellt hast.

    Ich nutze in der Tat nur eine einzige Evernote Notiz, so fern die Hinweise nicht zu lang werden. In solchen Fällen lege ich eine zusätzliche Notiz an, die mit einem Tag versehen wird. Sowie Du Word-Dokumente nutzt, nutze ich Evernote. Es ist mein Werkzeug der Wahl, da es sehr vielseitig ist und ich es auch für andere Aufgaben nutze.

    Du kannst übrigens Deine Word-Dokumente (per Copy&Paste) samt Formatierungen nach Evernote übertragen. In der kostenpflichtigen Version von Evernote können Word-Dokumente auch direkt als Notizen eingefügt werden.

  • Philipp kommentierte:

    Hallo,

    zunächst einmal will ich kurz sagen, dass ich diesen Artikel und deinen gesamten Blog sehr interessant finde. Allerdings habe ich noch eine kleine Frage zu deiner Vorgehensweise mit dem „Ingenieurs-Logbuch“:

    Packst du wirklich jede kleine Lösung in deine Evernote-Notiz? Denn ich denke bei vielen Kleinigkeiten ist eine kurze Google-Suche doch noch schneller als Evernote anzuschmeißen und dort nach der Lösung zu suchen.

    Ich bin selbst begeisterter Evernote-Nutzer und verwende Evernote sowohl zur Verwaltung meines GTD-Systems (also als Task-Manager) wie auch als Tool für mein persönliches Wissensmanagement. Dies bedeutet allerdings, dass die Suchfunktion inzwischen etwas schwerfällig geworden ist.

    Aus diesen Gründen speichere ich selber nur die Lösungen für komplexere oder sehr „suchintensive“ Probleme in Evernote ab.

  • Lukas Pustina (Autor) kommentierte:

    Hallo Philipp,

    erst einmal vielen Dank. Ich freue mich sehr, dass mein Blog und dieser Artikel bei Dir gut ankommen. Empfehl‘ Überallbüro weiter. Vielleicht hilft es auch Deinen Kollegen und Freunden.

    Zu Deiner Frage, ob ich wirklich jede kleine Lösung in Evernote eintrage: Zunächst einmal hast Du Recht, Evernote wird mit der Zeit tatsächlich etwas langsamer. Aber es fühlt sich immer noch schneller an als Google bzw. das Durchgehen der Suchergebnisse von Google. Ein besonderer Vorteil, den ich gerade jetzt mit einer verhältnismäßig sehr schlechten Internetverbindung wertschätze, ist, dass Evernote auch offline funktioniert.

    Nichtsdestoweniger hast Du Recht, man muss selbst entscheiden, welche Lösung in das eigene Logbuch gehört und welche nicht. Persönliche lege ich jedoch lieber eine Lösung mehr ab als eine zu wenig. Hier helfen die Zähler, man bekommt einfach mit, dass sich das Vorgehen lohnt.

  • Tweets die Logbuch, oder wiederhole Dich nicht | Das Überallbüro erwähnt -- Topsy.com kommentierte:

    […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Überallbüro.de erwähnt. Überallbüro.de sagte: Neuer Artikel: Ein Logbuch hilft, Problemlösungen festzuhalten und beim nächsten Mal schnell wieder zu finden — http://wp.me/pKv1C-qt […]

  • Micha kommentierte:

    Das Logbuch führe ich auch. Nur habe ich mir ein Dokuwiki auf dem eigenen Webspace installiert, in das ich solche Dinge reinschreibe. Das ist dann hilfreich, wenn es sich um Codeschnipsel handelt, die man dann gleich als entsprechende Datei herunterladen kann.

    Wenn ich mal offline bin, kann ich das Ganze auch in eine Textdatei schreiben, denn alle Tags, die ich für Dokiwiki brauche, habe ich mit Autohotkey gebastelt, sodass sie auch programmübergreifend funktionieren.