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Instapaper, oder die persönliche Überallzeitung

28 Oktober 2009 2 Kommentare

Im Jahr 1676 warnte der Hofkanzler Ashaver Fritsch vor Zeitungen. Die unzeitige und arbeitsstörende Begierde nach dem Zeitungslesen würde süchtig machen. Es ist interessant, dass dieser Gelehrte bereits vor 333 Jahren ein Phänomen beschrieb, dem ich mich tagtäglich ausgesetzt fühle. Es gibt zu viele spannende Nachrichten, zu viel neues Wissen, von dem man sich all zu leicht ablenken lässt.

Ein anderes Phänomen ist die Vergänglichkeit der heutigen Neuigkeiten. Oft stoße ich beim Stöbern im Internet auf interessante Artikel und Seiten. Lese ich sie jedoch nicht sofort oder speichere sie ab, finde ich sie selten wieder, da sie in Zwischenzeit durch neuen Inhalt ersetzt worden sind. Um meinen Arbeitsprozess nicht zu unterbrechen, lasse ich sie deshalb in einem Browser-Fenster mit der Absicht sie später zu lesen offen. Wenn ich dann in der Bahn oder im Wartezimmer Zeit zum Lesen habe, helfen mir die offenen Browser-Fenster im Büro jedoch wenig.

instapaper_logoAus diesem Grund setze ich den Web-Dienst Instapaper ein, der mir dabei hilft, während Wartezeiten doch noch die spannenden Artikel zu lesen, die ich mir ansehen wollte.

Instapaper besticht durch seine Einfachheit. Damit Instapaper Web-Seiten speichern kann, muss man sich zunächst anmelden. Dafür genügt schon allein eine E-Mail-Adresse und ein Passwort ist nicht nötig. Sollte man sich aber vor fremden Augen schützen wollen, so kann man seine Lesezeichen mit einem Passwort schützen.

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Um Artikel und andere Web-Seiten für das spätere Lesen zu speichern, fügt man in der Lesezeichenleiste des Browsers ein Bookmarklet ein. Findet man eine spannende Seite, so klickt man nur auf dieses spezielle Lesezeichen und die aktuell angezeigte Web-Seite wird gespeichert. Nun kann man von überall aus Instapaper im Browser aufrufen und findet dort seine gespeicherten Lesezeichen.

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Instapaper bietet dabei die Möglichkeit die gespeicherten Seiten direkt anzuspringen oder eine von Bildern und Werbung befreite, reine Textansicht zu erzeugen. Dies erleichtert das Lesen und reduziert die zu übertragenden Datenmengen. Dies ist besonders für mobile Geräte nützlich, für die Instapaper eine speziell angepasste Version anbietet.

Für unterwegs gibt es zusätzlich eine kostenlose, aber mit Werbeeinblendungen versehene iPhone-Anwendung, die bis zu 10 Artikeln offline speichert, so dass man die Seiten auch dann lesen kann, wenn gerade keine Internet-Verbindung zur Verfügung steht. Eine werbefreie Version mit Zusatzfunktionalität gibt es für US$ 5.

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Mit Instapaper kann ich von allen Rechnern aus und auch unterwegs über mobile Geräte auf meine gespeicherten Artikel zugreifen ohne sie umständlich wieder hervorsuchen zu müssen. Auf diese Weise habe ich meine persönliche Zeitung immer und überall dabei. Doch Vorsicht: Wie Browser-Fenster können auch Instapaper-Lesezeichen sehr schnell unübersichtlich werden. Da hilft nur noch Löschen und von vorn beginnen.

Preis: kostenlos, iPhone-Anwendung kostenlos / erweiterte iPhone-Anwendung US$ 5.

Link: http://www.instapaper.com

Und Du? Wie gehst Du mit den vielen spannenden Artikeln um? Welche Software hilft Dir? Lass die anderen Leser teilhaben und schreib einen Kommentar!

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2 Kommentare »

  • Friedrich kommentierte:

    Zunächst ein großes Lob: Ein Blog genau nach meinen Wünschen…

    Zu deinem System: Ich werde von dir inspiriert, aber offensichtlich gibt es nicht den perfekten Weg für alle Bedürfnisse. So ist das Leben.
    Mein Weg: Das Firefox-Add-on „ScrapBook“ kann sämtliche Tabs gleichzeitig offline zur Verfügung stellen. Liegt dessen Basis-Ordner in der Dropbox, braucht man keinen weiteren Online-Dienst zu benutzen, wenn ich einen anderen Rechner benutze. Da ich statt IPhone aber meistens ein Netbook als einzigen Arbeitsrechner bei mir habe, entfällt das häufige synchronisieren zwischen verschiedenen Apparaten, für mich meist nervig und zeitraubend.
    Ich benutze dein Prinzip, so wenige Dienste wie möglich bei so viel Gewinn wie möglich anzuwenden.
    Ohne Evernote (habe SuseLinux) habe ich einen leicht anderen Mix.
    · TiddlyWiki auf dem lokalen Rechner als „Referenz- Ideen und Wissenssammler“
    · RTM als Aufgabenverwalter (offline mit GoogleGears)
    · Delicious mit Tab „readLater“ als Lesezeichenverwalter
    · Dropbox
    · Google-Calender mit SMS-Erinnerungen (offline mit GoogleGears)
    So kann ich sowohl offline als auch online arbeiten ohne Windows oder IPhone.
    Kosten: 0€
    Wo siehst du Optimierungsmöglichkeiten?

  • Lukas Pustina kommentierte:

    @Friedrich: Du hast es genau richtig erkannt. Es gibt nicht das eine System für alle. Du musst mit Deinem System zufrieden sein. Aber ich bin mir sicher, dass es allgemein gültige Grundsätze gibt. Dazu zählt, dass man sich auf wenige, flexible Werkzeuge verlässt, mit denen man sich sehr gut auskennt. Aber auch das hast Du richtig erkannt.

    Für mich hat sich aber im Laufe der Zeit gezeigt, dass mein System nie fertig ist, sondern ich passe es ständig an. Meine Arbeit und meine Arbeitsweise verändern sich, so dass sich auch das Überallbüro diesen Änderungen anpassen muss. Ich merke meist intuitiv, wenn Lösungen nicht mehr optimal sind. Hier kann ich nur raten, hör‘ auf Deinen Bauch. Dann ergeben sich speziellere Fragen, die Du gerne hier stellen kannst.