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Überallakte, oder Keylogger für den ganzen Tag

3 Juli 2009 2 Kommentare

Vor einigen Tagen hielt ein Kriminalbeamter des Polizeipräsidiums Bonn einen Vortrag über Computer-Forensik an der Universität Bonn. Der sympathische Beamte beleuchtete die verschiedenen Aspekte seiner täglichen Arbeit. Insbesondere zum Thema Spurensicherung blieb mir ein Schritt seiner Routine im Gedächtnis haften. Muss ein vermeintlich gehacktes System untersucht werden, so wird zu allererst ein Keylogger aktiviert. Dieser überraschende Schritt erlaubt den Polizisten selbst Wochen später genau nachzuvollziehen, was sie getan und welche Änderungen sie am System durchgeführt haben.

Evernote LogoIch finde diesen Ansatz auch für die tägliche Arbeit sehr sinnvoll. Ich habe beobachtet, dass ich dazu neige nur die Ergebnisse meiner Arbeit festzuhalten und nicht wie sie zustande gekommen sind. Finde ich später einen Fehler in den Ergebnissen oder möchte nachvollziehen, was ich gemacht habe, fällt es mir sehr schwer. Aus diesem Grund pflege ich nun für all meine Projekte eine digitale Akte — im Behördendeutsch auch Vorgang genannt. Mit Hilfe von Evernote sind es Überallakten.

Im Artikel „Evernote, oder der tragbare Überallelefant“ habe ich Evernote bereits vorgestellt. Es ist ein internet-basiertes Gedächtnis, das Notizen zwischen verschiedenen Rechnern synchronisiert. Durch seine Integration ins Betriebssystem, können Notizen über eine Tastenkombination zu jeder Zeit wiedergefunden werden. Der Artikel „Bildnotizen, oder mehr als 1000 Worte“ zeigt, wie man mit der Handykamera Fotos in Evernote einfügt, um sich später zu erinnern. Evernote nimmt in der kostenlose Version Bilder, PDFs, Webseiten und Notizen auf*. Damit lassen sich beliebige Vorgänge festhalten.

Tausch einer defekten USB-Platte

Vor kurzem ist meine USB-Platte kaputt gegangen, die ich für Backups mit Crashplan nutze. Die Abwicklung des Garantieaustausches habe ich komplett in Evernote archiviert. Bevor ich den Support des Herstellers anschrieb, legte ich eine neue Notiz an. Den Titel solcher Notizen beginne ich immer mit „Vorgang –“ und beschreibe dann kurz worum es geht. Dieser Titel wandelt sich mit Zeit, um den Zustand wiederzugeben.

Die E-Mails mit dem Support kamen per Drag-and-Drop zum Vorgang. Bevor ich die defekte Festplatte verpackte, fotografierte ich sie noch mit meinem iPhone und fügte die Bilder der Evernote-Notiz hinzu. Auf diese Weise ist sowohl die Seriennummer als auch der Zustand vor dem Versand festgehalten. Den Einlieferungsschein scannte ich ein und er wurde automatisch an den Vorgang angehängt.

Evernote synchronisiert die Notizen mit all meinen Rechnern und meinem iPhone. Als die Platte nach einer Woche noch nicht beim Hersteller eingetroffen war, hatte ich während der telefonischen Nachfrage sämtliche Daten parat und brauchte nur in meiner Überallakte nachzusehen, um den Einlieferungsschein als Nachweis an den Hersteller zu schicken.

Seit Donnerstag sichere ich meine Daten wieder auf der ausgetauschten USB-Platte.

Überallakten

Auf diese Weise verfahre ich den ganzen Tag. Erweitere ich ein Programm, so speichere ich die recherchierten Web-Seiten, kompliziertere Shell-Befehle und schreibe mir Notizen auf, um meine Änderungen nachvollziehen zu können. So erinnert sich mein tragbarer Überallelefant auch Wochen später noch, was ich gemacht habe.

Preis: kostenlos, Premiumversion $45 pro Jahr

Link: http://www.evernote.com

Verwandte Artikel: Evernote, oder der tragbare Überallelefant, Bildnotizen, oder mehr als 1000 Worte

Und Du? Was hältst Du von dieser Art Arbeitsvorgänge festzuhalten? Was machst Du, um schnell den Stand eines Vorgangs einzusehen? Schreib einen Kommentar und beschreib, wie Du es machst.

*In der Premiumversion können beliebige Dateien in Evernote ablegt werden.
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2 Kommentare »

  • Tobias Ellersiek kommentierte:

    Ich nutze ebenfalls Evernote, als Free-Version und finde es ähnlich gut wie Du.
    Entgegen aller anderen GTD-Tools ist dieses wirklich überall erreichbar, mit allen Macs (privat) und Wins (beruflich) und iPhone synchron und wirklich easy-to-handle.
    Ich hab mir mehrere verschiedene Notebooks angelegt, für Privat, Firma, Sport etc., dazu werden zB die beruflichen Einträge mit der Projektnummer getaggt (4-stellig), erledigte „Tasks“ bekommen noch den Tag „Erledigt“ und somit ist es eigentlch recht übersichtlich.
    Und vor allem: So schnell wie dort eine neue Note eingegeben ist, diese getaggt und dem richtige Notebook hinzugefügt ist, da kommt (fast) kein GTD-Tool mit…

  • lebenwachsen kommentierte:

    Ich kenne Evernote noch aus der Zeit als es eine reine Desktop-Anwendung war und fand es seitdem sehr gut. In letzter Zeit war ich aber aufgrund der umständlichen Bedienung und einiger Fehler nicht mehr ganz zufrieden. Mein neuer Favorit ist Ubernote (Übernote) , ähnlich aufgebaut aber paar Features sind anders und derzeit komplett kostenlost!