Konzentrationsuhr, oder die getaktete Ablenkung

Vor ca. 2,5 Millionen Jahren hat der frühzeitliche Mensch das Pebble-Tool erfunden; das erste Werkzeuge und die Vorversion des Faustkeils. Diese Erfindung ging auf veränderte Umweltbedingungen zurück. Das trockenwerdendere Klima brachte Pflanzen mit härterer Schale um ihre Früchte hervor und der Mensch benötigte Werkzeuge, um diese zu knacken.
Ich habe schon oft über die Herausforderungen der modernen Arbeitsumwelt gesprochen und insbesondere den Aspekt des ablenkungsfreien Arbeitens beleuchtet. Was jedoch, wenn die Selbstdisziplin einfach nicht ausreichen will, konzentriert zu arbeiten? In diesem Fall braucht man ein Werkzeug zur Unterstützung, um trotz Ablenkungsversuchungen zu arbeiten: die Konzentrationsuhr.
Ablenkung
Ablenkung am Arbeitsplatz tritt in verschiedenen Formen auf: Anrufe, Kollegen, abschweifende Gedanken und Wartezeiten, wie zum Beispiel durch Downloads und Warteschleifen. Es geschieht schnell, dass man dann die Konzentration verliert und ein “kurzes Pläuschchen” hält, schnell mal wieder E-Mails abruft oder die Lieblings-Web-Seite ansteuert. Leider führen diese kurzen Ablenkungen dazu, dass unser Gehirn ständig zwischen verschiedenen Aufgaben umschalten muss und dadurch zu hohem Produktivitätsverlust.
Selbstdisziplin oder Konzentrationsuhr
An guten Tagen gelingt es mir leicht, den Ablenkungsversuchungen zu widerstehen. Dann ignoriere ich Anrufe und Kollegen, schreibe mir Gedanken schnell auf ein Post-It und konzentriere mich während Wartezeiten weiterhin auf meine aktuelle Aufgabe. An schlechten Tagen fällt mir dies jedoch schwer und der Mauszeiger scheint fast selbstständig zum Browserfenster zu wandern.
An diesen schlechten Tagen hilft mir die Konzentrationsuhr*. Bevor ich eine Aufgabe angehe, überlege ich, wie lange ein konkreter Schritt zur Bearbeitung dieser Aufgabe dauern könnte; mal 5 min, mal 10, und auch mal 25 min. Danach stelle ich eine Stoppuhr oder einen Wecker auf diese Dauer ein und arbeite solange an meiner Aufgabe, bis die Zeit abgelaufen ist.**
Richte Deine Aufmerksamkeit auf Deine Aufgabe, bis die Uhr abgelaufen ist
Wichtig ist es, jedes Mal, wenn der Impuls zur Ablenkung kommt, die Stoppuhr im Blick zu haben und sich zu sagen: “Okay, noch 7:35 min, so lange bleib ich noch dran“. Dabei spielt es keine Rolle, ob man gerade aktiv an seiner Aufgabe arbeitet oder im Stuhl zurückgelehnt nachdenkt.
Nach Ablauf der Stoppuhr gönne ich mir 5 min Ablenkung, so dass mein Gehirn sich kurz ausruhen kann und wieder fit für die nächste Runde ist. Auf diese Weise entsteht ein getakteter Arbeitsrhythmus aus konzentriertem Arbeiten und Regenerationszeit.
Versucht es selbst
Die Konzentrationsuhr ist eine simple und leicht einsetzbare Technik, um am Ball zu bleiben. Wenn meine Selbstdisziplin mal wieder versagt, hilft mir die Konzentrationsuhr den inneren Schweinehund zu überwinden und meine Aufgaben abzuarbeiten.
Probiert es selbst und berichtet mir, wie es klappt oder was Ihr anders macht.
Verwandte Artikel:
* Entlehnt habe ich die Konzentrationsuhr der Pomodoro-Technik, die eine Eieruhr — italienisch “Tomatenuhr” — nutzt. Leider schießt der Autor der Pomodoro-Technik über das Ziel hinaus und konzipiert aufbauend auf der Eieruhr eine starre und unflexible Arbeitsweise, die das “richtige” Verhalten erzwingen will.
** Tipps für Fortgeschrittene: Man braucht keine echte Stoppuhr. Mittlerweile nutze ich nur die Uhrzeitanzeige meines Computers und schreibe mir die Endzeit auf ein Post-It. Dieses klebe ich auf meinen Bildschirm und dann geht es los.



Hallo,
nutzt du eine solche Uhr?
Führen (kurzzeitige) Ablenkungen nicht auch zu einer Entspannung im Gehirn (gefühlt nachgewiesen
) und damit zur Ansammlung kreativer Energie? Vermutlich muss man dabei individuell differenzieren, aber sich zu zwingen an einer anstrengenden Aufgabe zu bleiben birgt meiner Ansicht nach die Gefahr der vollständigen Erschöpfung. Dann doch lieber mal bei überallbüro.de vorbeischauen
.
Hallo Felix,
ja, ich nutze eine solche Uhr bzw. die Post-Its, wenn es mir schwer fällt meinen inneren Schweinehund zu überwinden.
Du hast vollkommen Recht. Kurze Pausen helfen tatsächlich, aber es sollten Pausen und kein Dauerzustand sein. Deswegen schlage ich ja vor, dass man 10-25 min an einem Schritt einer Aufgabe arbeitet und danach eine kurze Regenerationspause macht — aber nicht länger als 5 min.
Während der Zeit, die man an einer Aufgabe arbeitet, sollte man jedoch keine Unterbrechungen zulassen. Der assoziative Teil unseres Gehirns ist eine der wesentlichen Quellen für Inspiration und neue Ideen. Er brauch aber Zeit und Fokussierung, damit er arbeiten kann. Lenkt man sich zu oft ab, weiß er nicht zu welchem Thema er Assoziationen suchen muss.
Wenn ich an einem Artikel über Konzentration arbeite und nebenbei Spiegel Online lese, dann bekomme ich Erinnerungen und Gedanken über Politik anstatt übers sinnvolles Arbeiten.
Also, ja, Pausen sind gut, wenn sie wirkliche Pausen, also kurzzeitige Unterbrechungen von längeren Arbeitsphasen sind.
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