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KISS, oder das Einfache siegt über das Komplizierte

14 Juni 2010

Ockhams Rasiermesser ist ein Prinzip aus der Philosophie und Methodenlehre und besagt, dass die einfachste Theorie zur Beschreibung einer Beobachtung meist die richtige ist.

In der Informatik ist Ockhams Rasiermesser als das „Keep it simple stupid“ (KISS)-Prinzip (englisch, deutsch) bekannt. Entwirft man einen Algorithmus, so sollte dieser möglichst einfach und konkret sein. Dies erreicht man, indem der Algorithmus genau eine Aufgabe löst und das so einfach wie möglich.

Obwohl KISS vielen Menschen intuitiv bewusst ist, handeln sie diesem effektiven Prinzip beim Planen und Ausführen ihrer Aufgaben zuwider.

Tooleritis
Ich beobachte immer wieder das gleiche Phänomen. Wenn sich Kollegen oder Freunde entscheiden, ihr Arbeitschaos besser zu organisieren, verfallen sie häufig der Tooleritis. Sie suchen das ausgefeilteste Organisationssystem, die umfassenste Software und die optimale Zeitausnutzung. Aufgaben  bekommen verschiedenste Kontexte, Prioritäten und Farben. Jede Aufgabe wird zeitlich abgeschätzt und von der Software je nach Kalenderauslastung automatisch terminiert.

Wer unter Tooleritis leidet, macht sich zum Sklaven seiner Organisation. Die Erkrankten glauben, die Lösung für ihr ineffizientes Handeln sei die bessere Verwaltung ihrer Aufgabe und könnten damit nicht falscher liegen.

Arbeiten, nicht Organisieren
Das Ziel, seine Aufgaben zu erledigen, wird nicht durch bessere Organisation, farbige Prioritäten und Automatismen erreicht, sondern durch das Erledigen von Aufgaben. Punkt.

Organisationssysteme müssen leichtgewichtig sein. Sie unterstützen uns in unserer täglichen Arbeit, sind aber nicht unsere tägliche Arbeit.

Einfache Lösungen
Genau den gleichen Fehler machen viele bei der tatsächlichen Lösung einer Aufgabe. Sie streben nach der einen, allumfassenden Lösung für ihr Problem. Dabei verlieren sie aus den Augen, dass Perfektion nie erreicht werden kann. Anstatt also zu versuchen, die Superdupereinfürallemal-Lösung zu erarbeiten, ist es wesentlich sich auf  die konkrete Aufgabenstellung zu konzentrieren und nur diese zu bearbeiten.

Fazit
Wenn Du das nächste Mal eine Aufgabe planst, halte inne und überlege, was die drei Kernschritte zur Lösung sind. Lass Dich nicht von zusätzlichen Erweiterungen oder „Schön wäre es, wenn man noch …“ ablenken. Genauso halte inne, wenn Du beginnst die Aufgabe zu bearbeiten. Verzichte auf überflüssiges Brimborium und konzentriere Dich auf das Ergebnis.

Und Du?
Passiert es Dir auch manchmal, dass Du anstatt eine einfache Aufgabe zu lösen, der Versuchung unterliegst, allumfassende Superlösungen zu bauen, die dann am Schluss doch scheitern und viel zu viel Zeit kosten? Wie gehst Du damit um?

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