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16:9, oder wie man die Bildschirmbreite sinnvoll nutzt

31 Mai 2010 2 Kommentare

Die Fesseln der Gewohnheit sind meist so fein, dass man sie kaum spürt. Doch wenn man sie spürt, sind sie so stark, dass sie sich (offenbar) nicht mehr zerreissen lassen.“ (Samuel Johnson). Unsere Gewohnheiten sind das Ergebnis unserer Erfahrung im Umgang mit den Bedingungen unserer Umgebung. Ändert sich unsere Umwelt, vergessen wir jedoch häufig, auch unsere Gewohnheiten zu überdenken. Dies trifft insbesondere bei kleinen Änderungen zu, da sich augenscheinlich nichts geändert hat.

Eine solche unscheinbare Änderung unserer Arbeitsumgebung ist die Verbreitung von Fernsehern und Bildschirmen im 16:9 (oder ähnlich) Breitbildformat. Untersuchungen haben bereits früh gezeigt, dass das menschliche Sichtfeld eher einem Breitbildformat entspricht. Die Initiative für die Umstellung vom 4:3 auf das 16:9 Seitenverhältnis kam ursprünglich aus der Unterhaltungsindustrie — Fernsehen wir im Kino. Mittlerweile sind sogar die meisten Computer- und Notebook-Bildschirme im Breitbildformat; auch um die Darstellung von Filmen auf diesen Geräten zu verbessern.

Leider haben wir bisher unsere Gewohnheit, wie wir den Platz auf diesen Bildschirmen für die tägliche Arbeit nutzen, nicht in Frage gestellt. Die Fensteraufteilung der Programme folgt immer noch den Regeln aus der Zeit von 4:3 Monitoren. Die gängige Aufteilung „Navigation links, Übersicht rechts oben und Inhalt links unten“ ist nicht mehr zeitgemäß. Die Zeilenlänge ist viel zu groß. Dadurch müssen wir beim Lesen den Kopf leicht bewegen, um die gesamte Zeile lesen zu können und es fällt dem Auge schwer, die nächste Zeile zu finden.

Wissenschaftliche Untersuchungen (engl.) haben gezeigt, dass in Print-Medien die Zeilenbreite für optimale Lesbarkeit ca. 9 – 15 cm beträgt. Neuere Untersuchungen für die Lesbarkeit an Computerbildschirmen führen Zeilenlängen von bis 18 cm als sinnvoll auf. In beiden Fällen liegt man deutlich unter der Breite von Breitbildmonitoren. Betrachtet man die Webseite des Spiegels, so fällt auf, dass die Zeilenbreite ungefähr 16 cm beträgt und damit im optimalen Bereich liegt.

Wir sollten die Standardeinstellungen unserer Programme bzw. unsere Gewohnheit, sie zu nutzen, überdenken und den veränderten Bedingungen anpassen. Ich habe mein Mail-Programm und Evernote auf eine 3-Spaltenansicht umgestellt, so dass die Dreiteilung vertikal verläuft. Dadurch wird die Darstellung übersichtlicher und die Texte lesbarer. Es fällt mir so sehr viel leichter, längere E-Mails zu lesen und auch mal im Text zurückzuspringen.

Für Apple Mail gibt es das Plugin „Letterbox“ welches die 3-Spaltenansicht erlaubt. In Thunderbird 3 ist diese Funktion bereits integriert und über das Menü „Ansicht, Fensterlayout, 3-Spalten-Ansicht“ einstellbar. Evernote bietet ebenfalls von Haus aus eine 3-Spaltenansicht an. Auch in vielen anderen Programmen kann man die Bildschirmbreite effektiver nutzen.

Versucht es selbst und vergesst dabei nicht: Änderungen von Gewohnheiten sind sehr viel schwerer, die Trägheit viel größer als man denkt. Am Anfang spürt man oft Ablehnung und innerliches Widerstreben. Gebt Änderungen Zeit. Probiert es eine Woche aus und entscheidet dann, ob die neue Gewohnheit besser ist als die alte.

Und Du? Welche Gewohnheiten hast Du überwunden, um Deine Arbeitsumgebung besser auf Dich anzupassen? Lass die anderen Leser teilhaben und schreib einen Kommentar!

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2 Kommentare »

  • Jan E. kommentierte:

    Bei Breitbildschirmen und der Nutzung von MacOS bringt es einiges, das Dock auf den linken oder rechten Bildschirmrand zu setzen. Dadurch spart man sich vertikalen Raum welcher auf Breitbildschirmen ziemlich kostbar ist.
    Meiner Erfahrung nach ist es links am besten angeordnet, da es dann auch ergonomisch dem Prinzip „von links nach rechts“ entspricht. Man spart sich so auch Mouseweg, da sich die Navigationsleisten oder Werkzeuge der Programme meist auf der linken Seite befinden.
    Durch das Tool „IO Graph“ (http://iographica.com/) kann man seine Mousebewegungen visualisieren und analysieren und so eventuell unnötige Mousebwegungen feststellen um entsprechend entgegenzuwirken.
    Dabei wird ein Bild generiert das ausgedruckt an der Zimmerwand sogar als Kunstwerk was hermacht.

    Grüße,
    Jan

  • Alex kommentierte:

    Wo wir schon bei Werkzeugen sind: wirklich sinnvoll kann man einen 16:9-Bildschirm dann nutzen, wenn Fenster einfach und schnell nebeneinander anzuordnen sind. Windows 7 bringt diese Möglichkeit mit und mit kleinen Tools ist dies auch unter OS X möglich. Ein Beispiel:
    http://www.youtube.com/watch?v=WR3EmK3K5H4

    Viele Grüße, Alex