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Schlaue Ziele, oder Aufgaben mit Fingerspitzengefühl

22 Februar 2010 Ein Kommentar

Fingerkraft ist beim Klettern in vielen Situationen entscheidend. Manche Griffe sind klein oder liegen ungünstig, so dass nur mit ausreichender Kraft in den Fingern ein sicherer Halt möglich ist. Die Kraft geht dabei nicht nur von der Fingermuskulatur, sondern auch von den Unterarmen aus. Um diese Muskulatur zu trainieren, kann man sich ein Fingerbrett (Fingerboard engl.) kaufen; oder selbst bauen.

Anhand meines selbstgebauten Fingerbretts zeige ich in diesem Artikel, wie man Aufgaben mit Hilfe von SMART effektiv entwickelt. Durch SMART verlieren Aufgaben ihren Schrecken und die eigene Motivation sie zu lösen steigt.

Specific Measurable Achievable Relevant Timely Goals (SMART, zu deutsch Spezifische, Messbare, Angemessene, Realistische, Terminierte Ziele) stammt aus dem Projektmanagement. Es wurde ursprünglich von George Doran u.a. 1981 vorgestellt [1]. Wie das ausgeschriebene Akronym besagt, sollte eine Aufgabe stets klar formuliert, die Erfüllung messbar, Kosten und Nutzen angemessen, realistisch lösbar und zeitlich festgelegt sein.

Ich erweitere meine Aufgaben häufig noch um einen Nutzen, einen Zweck, welcher sich für mich ergibt, sobald die Aufgabe gelöst worden ist. Dies erhöht meine Motivation die Aufgabe auszuführen, da ich stets weiß, warum ich sie mache; oder ich verwerfe sie, wenn mir der Zweck nicht mehr sinnvoll erscheint.

Klar formuliert

Fingerbrett schrieb ich als erstes in mein Notizbuch als ich mich entschied, meine Fingerkraft zu verbessern. Für eine schnelle Notiz ist dies sicherlich ausreichend, aber als ich am Abend meine Notizen durchging, übertrug ich jedoch etwas mehr in mein Aufgabenverwaltungssystem, damit ich noch einige Tage, Wochen später weiß, was ich ursprünglich damit gemeint habe:

Bau ein Fingerbrett.

Erfüllung messbar

Was genau will ich eigentlich bauen und wann ist es fertig? Ich möchte zwei Dinge trainieren, nämlich kleinere Griffe zu halten und in schwierigen Situationen Klimmzüge machen zu können. Dafür brauche ich Griffe unterschiedlicher Größe und unterschiedlicher Entfernung. Ähnlich zur Anordnung auf dem Bild [2] habe ich mich für vier übereinander liegende Leisten entschieden: zwei 4,5 cm tief und zwei 2 cm tief. Damit ist klar feststellbar, wann mein Fingerbrett fertig ist und es wird nicht zu einer endlosen, immer wieder aufgeschobenen Aufgabe:

Bau ein Fingerbrett mit vier Leisten (2x 4,5 cm, 2x 2 cm).

Kosten und Nutzen angemessen

Man kann für beliebig viel Geld fertige Fingerbretter kaufen oder spezielles Holz etc. für den Selbstbau nutzen. Ich wollte insgesamt nicht mehr als 50 Euro ausgeben. Im Baumarkt habe ich ein 40×60 cm^2 großes Brett aus geleimten Massivholz für 10 Euro als Rest einer Küchenarbeitsplatte gefunden sowie zwei Kanthölzer in den passenden Größen. Dazu kamen noch Spax-Schrauben und Betonschrauben mit Stahldübeln:

Bau ein Fingerbrett mit vier Leisten (2x 4,5 cm, 2x 2 cm) für 35 Euro.

Realistisch lösbar

Trainieren möchte ich zu hause zwischendurch, deshalb sollte das Fingerbrett über die Tür passen. Die Baumaterialien hatte ich gekauft und Bohrmaschine mit Holz- und Betonbohrer im Keller. Damit war alles zusammen, um das Brett wirklich zu bauen:

Bau ein Fingerbrett mit vier Leisten (2x 4,5 cm, 2x 2 cm) für 35 Euro und häng es über die Schlafzimmertür.

Zeitlich festgelegt

Das Fingerbrett sollte letztes Wochenende gebaut werden:

Bau am Samstag ein Fingerbrett mit vier Leisten (2x 4,5 cm, 2x 2 cm) für 35 Euro und häng es über die Schlafzimmertür.

Nutzen und Zweck

Wie am Anfang beschrieben, möchte ich schwierige Griffe in der Wand halten können, die es mir zur Zeit schwer machen:

Bau am Samstag ein Fingerbrett mit vier Leisten (2x 4,5 cm, 2x 2 cm) für 35 Euro und häng es über die Schlafzimmertür, um kleine Griffe besser halten zu können.

Diese Aufgabenformulierung scheint sperrig und unhandlich formuliert zu sein, jedoch ist sie tatsächlich umsetzbar und ich weiß, warum ich sie umsetzen will. Jedes Mal, wenn ich sie lese, kann ich fundiert entscheiden, ob sie ausgeführt werden soll.

Theorie und Praxis

SMART lässt sich wie viele theoretische Konzepte nicht eins zu eins in die Praxis übertragen. Häufig weiß man bei einer neuen Aufgabe gar nicht, wie die einzelnen Aspekte von SMART auszufüllen sind. Insbesondere die Aspekte realistisch lösbar sowie Kosten und Nutzen sind nicht immer Teil einer Aufgabenbeschreibung. Entsprechende Überlegungen sollten jedoch zur Planung und Ausführung von Aufgaben gehören, auch wenn sie nicht ausformuliert in die Aufgabenverwaltung aufgenommen werden. Ähnlich wie in der Fingerbrettaufgabe, entwickele ich Aufgaben über die Zeit weiter. Umso näher ihre Umsetzung rückt und je mehr ich über sie weiß, desto klarer und präziser werden die Formulierungen.

Grundsätzlich sollte man bei jeder neuen Aufgabe die SMART-Aspekte im Hinterkopf behalten und sie sukzessive in die Aufgabe einpflegen. Auf diese Weise werden Aufgaben leichter umsetzbar und sie verlieren ihre Schrecken. Wenn ich weiß, was genau getan werden muss, wann ich fertig sein werde und warum ich sie machen möchte, ist eine Aufgabe kein graues, schwammiges Etwas mehr, das kaum überwindbar scheint und auf das ich einfach keine Lust habe.

Setze diese Woche SMART ein und berichte in den Kommentaren, wie Du damit zurecht kommst. Klappt es gut oder schlägt es fehl, die einzelnen Aspekte mit Inhalt zu füllen? Schreibe mir Deine Beispiele und Probleme.

Verwandte Artikel:

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  3. Ideen sind überall, oder auf Hemingways Spuren
[1] Doran, George T. „There’s a S.M.A.R.T. way to write managements’s goals and objectives.“ and Miller, Arthur F. & Cunningham, James A „How to avoid costly job mismatches“ Management Review, Nov 1981, Volume 70 Issue 11
[2] Bildquelle: http://jamespearsonclimbing.blogspot.com/
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Ein Kommentar »

  • Joachim Jenser kommentierte:

    Hallo,
    interessanter Artikel,
    insbesondere das „Wachstum“ der Aufgabe, bzw. der anfänglichen Notitz ist eine beobachtung wert.
    Zeigt es doch, wie Aufgaben, die man sich setzt mit der Zeit konkretisiert werden.
    Wie Du schriebst, fehlen dieser Konkretheit ganz klare Anweisungen zur praktischen Umsetzung (geh in den Baumarkt; kaufe ein Brett; besorge Nägel; Wann darf ich bohren, ohne die Nachbarn zu stören; Wo lasse ich das Brett schleifen, wenn es nicht in der Form existiert, die ich brauche; Wird die Wand das Gewicht halten; Was sagt meine Frau dazu; etc.)
    Aber genau darin liegt auch die Stärke, meine ich, denn all das, was ich gerade in Klammern aufgezählt habe (und es gibt noch unendlich viel mehr zu bedenken und umzusetzen) lässt Mensch gerne eben diese kurzen/prägnanten Aufgabensetzungen gerne wieder um eine weiter Woche verschieben oder verzögern. Eben aus der Unklarheit heraus, die entsteht, wenn man sich Fragen nicht selbst beantworten kann, sondern vermeintlich auf äussere Antworten oder Handlungen angewiesen ist.

    Ich bin mir sicher, das, wenn eine klare Formulierung vorliegt (auf Papier, aber auch im Kopf), es einfach in der Nähe eines Baumarktes *klingelt* und man sich erinnert, was man wollte und einfach mal guckt, wie man seine Aufgabe weiter zur Vervollständigung bringen kann 🙂