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Entschleunigung, oder langsam schneller ans Ziel

8 Februar 2010

In der Ruhe liegt die Kraft„, „Eile mit Weile“ und „Eile ist die Tüchtigkeit von Stümpern“ sind Redensarten, die eines gemeinsam haben. Sie drücken aus, dass man sich Zeit nehmen und nicht hetzen soll, sondern versuchen soll seine Aufgaben in Ruhe anzugehen.

Das klingt vernünftig und doch halten wir uns bei der täglichen Arbeit nur selten daran. Ich erlebe es bei mir selbst. Wenn die Tagesaufgaben kaum zu bewältigen sind, der Stress steigt, beginne ich mehrere Sachen gleichzeitig zu bearbeiten und werde ungeduldig. Klappt eine Aufgabe nicht auf Anhieb, springe ich zur nächsten und versuche dort mein Glück. Am Ende des Tages habe ich dann meist nichts wirklich erledigt und gehe unbefriedigt mit einem schlechten Gefühl nach Hause.

Carl Honoré beschreibt dieses Verhalten ausführlich in seinem inspirierenden Ted-Talk*. Er bricht das Tabu und verordnet sich Langsamkeit. Ein Wort, dass seiner Meinung nach in unserer Gesellschaft tabuisiert werde. Langsamkeit sei ein Stigma für schlecht.

Er weißt aber zurecht darauf hin, dass Langsamkeit bzw. Ruhe die Grundlage für Kreativität ist. Erst wenn man seinem Geist Zeit gibt, über ein Problem nachzudenken, findet er neue Ansätze und unbekannte Lösungsideen. Diese Ruhe müssen wir Knowledge-Worker in unserem täglichen Leben suchen und anwenden.

Im Grunde genommen wissen wir das instinktiv. Man kann nicht in 2 Wochen 15 kg abnehmen, 15 kg Muskelmasse zulegen oder für einen Marathon trainieren. Genauso wie körperliche benötigen geistige Herausforderungen Zeit insbesondere dann, wenn eine effektive, langanhaltende Lösung gefunden werden soll.

Natürlich ist es schwer abzuschalten, den Stress abzuschütteln und uns zu erlauben, ohne sofortige Ergebnisse nachzudenken. Aber nur so gelingt es uns, eine Fragestellung aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Es ist auch die Zeit, die unser Gehirn benötigt, um in unseren Erfahrungen und Erkenntnissen nach ähnlichen Problemen zu suchen, um so neue, kreative Lösungen vorzuschlagen (seht dazu das Buch „Pragmatic Thinking and Learning: Refactor Your Wetware„).

Also traut Euch, entschleunigt Eure Arbeit und findet bessere als nur die erstbesten Lösungen. Versucht es diese Woche selbst bei einem Problem, das Euch schon längere Zeit beschäftigt. Setzt Euch in Ruhe hin und lasst Euren Gedanken für eine Stunde freien Lauf. Nehmt ein Blatt Papier, schreibt das Problem auf und konzentriert euch nur darauf. Ihr werdet bestimmt eine Lösung finden, die Euch überrascht!

Das Video von Carl Honorés Vortrag über das „Slow-Movement“ und die positiven Effekte der Langsamkeit und Ruhe auf Euer ganzes Leben könnt Ihr Euch hier ansehen.

Und Du? Entschleunigst Du noch oder arbeitest Du schon in Ruhe? Berichte über Deine Erfahrungen oder folge meiner Aufforderung und beschreibe, ob Langsamkeit Dir in dieser Woche geholfen hat.

* Die Technology, Entertainment, Design (TED) Conference ist eine alljährlich stattfindende Konferenz, während der sich die einflussreichsten Menschen der Welt austauschen. Dazu werden Gäste aus den unterschiedlichsten Fachgebieten geladen, um Vorträge zu halten. Diese Vorträge werden über das Jahr veröffentlich. Wer TED noch nicht kennt, dem kann ich nur empfehlen sich von den faszinierenden Vorträgen inspirieren zu lassen.

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