Drop.io, oder der Anhang ohne E-Mail
Die E-Mail wurde noch vor dem Internet 1965-66 entwickelt und ermöglichte anfangs nur den Informationsaustausch zwischen Nutzern desselben Großrechners — eine revolutionäre Technologie*; damals. Heute ist E-Mail selbstverständlich und aus dem elektronischen Brief ist ein elektronischer Paketdienst geworden: Möchten wir ein Dokument übertragen, schreiben wir eine E-Mail, hängen die Datei an und “Senden”.
E-Mails wurden jedoch für den Austausch von Text konzipiert und nach diesem Konzept arbeiten sie noch heute. Deshalb müssen Dokumente für den Versand erst umgewandelt werden. Dies bläht die Dateien stark auf und überlastet manchmal das E-Mail-System: “552 5.2.3 Message size exceeds fixed maximum message size“? Man hat also vergebens auf die Übertragung der E-Mail gewartet und muss nun von vorne anfangen.
Die Antworten auf diese Fehlermeldung sind häufig, “Verschicke mehrere E-Mails” oder “Kopier’ es auf einen USB-Stick”. Ich sage, probieren wir etwas Neues und verschicken den Anhang direkt ohne E-Mail. Drop.io ist ein Web-Dienst für den Austausch von Dateien, eine Art Postkorb im Internet.
Dieser Postkorb wird bei drop.io “Drop” genannt und wird automatisch beim Besuch der Seite erzeugt. Drop.io schlägt einen kryptischen Namen wie “xfjwgtv” vor und der neue Drop ist damit unter “http://drop.io/xfjwgtv” zu erreichen. Man kann aber auch einen eigenen Namen vergeben, er muss jedoch größer als 7 Zeichen sein.
Ist der Drop benannt, wählt man die zu verschickenden Dateien aus und “Senden” — wie E-Mail, nur schneller und ohne Fehlermeldung. Nachdem der Drop gefüllt ist, kann man den Link zum Drop per E-Mail verschicken und die Adressaten können auf die Dateien zu greifen. Man kann Daten natürlich auch wieder aus dem Drop löschen oder neue hinzufügen. Drops werden 1 Jahr nach dem letzten Zugriff automatisch gelöscht, so dass man sich nicht um die Entsorgung kümmern muss.
Ein Drop ist auf eine Größe von maximal 100 MB beschränkt, man kann aber zusätzlichen Speicherplatz mieten, falls man Bedarf hat. Die Anzahl der Drops ist unbeschränkt.
Sicherheit
Nachdem der Drop erzeugt worden ist, kann man ein Administrationspasswort und eine E-Mail-Adresse zur Wiederherstellung des Passworts nach Verlust angeben. Möchte man die Daten vor Außenstehenden schützen, falls jemand den Namen des Drops errät, kann man den Drop mit einem Zugangspasswort schützen. Dies kann man direkt bei Erzeugung des Drops angeben oder auch später.
Zusammenarbeit
Drop.io bietet viele Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit Anderen. Man kann einen Chat starten und so über Dokumente sprechen, man kann mittels RSS und E-Mail über Änderungen an Drops informieren und vieles mehr.
Integration
Nutzt man Drop.io häufiger gibt es kleine Anwendungen zum noch einfacheren Arbeiten mit Drops; zum Beispiel gibt es eine Firefox-Integration, die per Drag-and-Drop Dateien in einen Drop ablegt oder eine iPhone-Anwendung
Für Nerds
Für den Informatiker bietet Drop.io ein Ruby-basiertes Kommandozeilen-Interface, so dass man Drops per Skripts steuern kann.
Also, anstatt Pakete umständlich in Briefformat zu pressen, verschick Deine Urlaubsfotos beim nächsten Mal direkt ohne E-Mail. Oder hinterlege Deine Präsentation bei drop.io, bevor Du zur Konferenz fliegst.
Preis: kostenlos bis 100 MB, $10 für jedes weitere GB pro Jahr
Link: http://drop.io
Extra-Links: Firefox-Plugin, iPhone-Anwendung, Ruby CLI
Und Du? Wie verschickst Du große Dateien? Nutzt Du andere Dienste, die vielleicht besser sind oder etwas besser machen als Drop.io? Lass die anderen Leser teilhaben und schreib einen Kommentar!



Noch schöner finde ich die Variante: “Ich schicke die eine CD-ROM oder DVD per Post” – bei solchen Datenmengen hilft drop.io natürlich nur bedingt, da erst einmal die Daten auch hochgeladen werden müssen und dies u.U. auch noch kostet. Für mittlere Datenmengen sicherlich sehr interessant und einfach, aber in den Zeiten von GMail & Co (und der Möglichkeit Anhänge im Postfach runterzuladen und zu löschen) tritt dieses Problem denke ich immer seltener auf (ist zumindest meine Beobachtung).
Bei sehr großen Datenmengen klicke ich persönlich dann einmal auf “Web-Sharing” und lasse die Daten direkt über Nacht von meinem Rechner mit HTTP-Zugriffsschutz runterladen – aber das ist natürlich auch ein wenig “Geek”, aber für die Gegenseite recht einfach zu handhaben, da lediglich ein Browser und ggf. ein Downloadmanager benötigt wird.
Du hast Recht, wenn die Datenmengen DVD-Größe erreichen wird es schwierig. Jedoch hat drop.io zwei entschiedene Vorteile:
1. Die Anzahl der Adressaten ist nicht beschränkt: In Deinem Fall müsstest Du entweder mehrere DVDs verschicken oder Deine eigene Leitung (Web-Sharing) würde von mehreren Downloadern ausgelastet.
2. Hinzufügen von Adressaten ist nahezu kostenlos: Bei E-Mails muss der Anhang erneut verschickt werden, wenn eine weitere Person den Anhang nutzen soll. Bei Drop.io musst Du nur den Link erneut verschicken.
In beiden Fällen skaliert drop.io deutlich besser. Aber wie Du schon festgestellt hast, es ist kein Allheilmittel.
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