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Evernote, oder der tragbare Überallelefant

29 Mai 2009 2 Kommentare

Elefanten erinnern sich sprichwörtlich an alles. Ein solches Gedächtnis wünscht man sich selbst. Zum Beispiel, wenn nach einem Brand Unterlagen zerstört worden sind. Wer dann kein Backup hat ist verloren oder fragt seinen Kollegen. So fragte mich ein Kollege nach einer Referenzkarte für VIM, die sich in Rauch aufgelöst hatte.

Es muss aber nicht brennen, um ein Elefantengedächtnis sinnvoll einsetzen zu können. Wer sich traut ein bisschen analog zu sein und ein Notizbuch zum Festhalten seiner Ideen nutzt, wird schnell feststellen, dass Festhalten nur die halbe Miete ist. Man muss sie auch wieder finden und bearbeiten können, damit man seinen Kollegen helfen kann.

Evernote LogoIn beiden Fällen hilft Evernote: Ein tragbares, durchsuchbares Gedächtnis. Kombiniert man seine analogen Notizen mit Evernote, findet man sie schnell und an jedem Ort der Welt wieder. Evernote-Notizen werden zentral im Internet gespeichert, so dass sie überall abrufbar sind. Jede Notiz wird volltextindiziert, so dass man nicht auf Stichwörter oder Überschriften angewiesen ist. Bilder unterzieht Evernote einer Texterkennung, so dass enthaltener Text ebenfalls durchsuchbar ist. Das Besondere an Evernote ist, dass die Notizen zentral gespeichert, aber lokal auf die eigenen Rechner synchronisiert werden. Auf diese Weise gibt es keine lästigen Verzögerungen durch Internet-Zugriffe, die im Hintergrund für den Nutzer unbemerkt stattfinden.

evernote_webDie Integration von Evernote ins Betriebssystem macht es sehr leicht das eigene Notizbuch zu durchsuchen und neue Notizen hinzuzufügen. Es gibt eine Tastenkombination, die zu jeder Zeit ein Fenster zum Durchsuchen der Notizen öffnet. Häufig stößt man beim Lesen im Web auf Dinge, die man festhalten möchte. Dafür gibt es für die gängigen Browser einen Schnellstartknopf, der entweder die ganze Seite oder nur markierte Inhalte samt Bildern, der URL und Überschrift als neue Notiz in Evernote einfügt. Oder, Evernote macht einen Screenshot, schneidet ihn zurecht und fertig ist die Notiz.

Notizen werden im Klartext gespeichert, um das Durchsuchen und die Texterkennung zu ermöglichen. Möchte man jedoch auch vertrauliche Informationen speichern, so kann man einzelne Notizen oder Teile davon verschlüsseln.

Evernote in AktionZur Zeit gibt es die Software für Windows und Mac OS X; für unterwegs auch für iPhone, Windows Mobile und Blackberry bzw. online per Web-Client. Auf diese Weise hat man seine Notizen immer dabei, egal wo man ist.
Wine hilft, um die Software auch unter Linux nutzen zu können.

In der Basisversion ist Evernote kostenlos mit einem monatlichen Transfervolumen von 40 MB. Das klingt nach wenig, ich habe aber im letzten Jahr nie mehr gebraucht und nutze es täglich. Die Notizen sind auf Bilder, Audio, PDF und Text beschränkt. Die erweiterte Premiumversion bietet Verschlüsselung der Übertragungen per SSL, hat keine Einschränkung von Dateitypen und die Texterkennung von Bildern wird mit einer höheren Priorität ausgeführt. Das monatliche Transfervolumen beträgt 500 MB.

Mit Hilfe von Evernote konnte ich meinem brandgeschädigten Kollegen schnell helfen: Ich rief das Durchsuchenfenster auf, gab „VIM“ ein, wählte die Referenzkarte und druckte sie aus. Keine 2 Minuten Arbeit und mein Kollege lächelte wieder — ein guter Tag.

Preis: kostenlos, Premiumversion $45 pro Jahr

Link: http://www.evernote.com

Verwandte Artikel: Ideen sind überall, oder auf Hemingways Spuren, Crashplan, oder wenn es doch mal brennt

Und Du? Wie verwaltest Du Notizen, Wissen und Links? Nutzt Du vielleicht schon Evernote und wie hilft es Dir? Lass die anderen Leser teilhaben und schreib einen Kommentar!

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2 Kommentare »

  • Volker kommentierte:

    Ich nutze Evernote nun seit einigen Wochen. Auf der Suche war ich nach einer DMS-Lösung, nachdem ich mir einen Scansnap S1500M anschaffte und über die Strukturierung meiner Scans nachdachte. Wichtig für mich war die Zuverlässigkeit und Möglichkeit, möglichst überall auf die Daten zuzugreifen.

    Nachdem ich YEP ausprobierte, jedoch nicht so richtig zufrieden war (z. B. nix online), bin ich auf Evernote gestoßen. Naja, sagen wir mal, die Entwickler von YEP haben in einem amerikanischem Forum über Evernote gelästert, diese hätten ja ausreichend Geld und bei der YEP-Schmiede würde es sich ja eher um eine sehr kleine Firma handeln. Urkomisch eigentlich. 😉

    Ich bin sehr zufrieden und verwalte nun meinen gesamten Schriftverkehr über Evernote. Gescannt habe ich auch Gehaltsbescheinigungen und ähnliche persönliche Daten, die ich jedoch nur lokal vorhalte und nicht auf den Evernote-Server uploade.

    Für das Geld (45 USD) ein klares: Jederzeit wieder.

  • Andreas kommentierte:

    Ich kenne Evernote schon länger, habe mich aber nie dazu durchringen können, es zu nutzen. Ich bin noch nicht reif für die „Cloud“ 😉 und habe so meine Probleme persönliches in die Hände anderer zu geben…

    Mein Tool der Wahl war dann DEVONthinnk Office Pro, geniales Programm, allerdings lokal beschränkt. Sicherlich mit Dropbox auch auf mehrere Macs nutzbar, aber dann halt wieder in fremden händen (oder kann man die Datenbank von DEVONthink verschlüsseln???)

    Aber ich glaube, ich werde es mir doch mal ansehen, Danke!

    PS: Danke auch für Deinen Blog, sehr interessant. Du hast einen regelmäßigen Leser mehr 😉